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Ist es an der Zeit, die Luft aus den Reifen zu lassen?

Cyrille Roget, Direktor für Technische und Wissenschaftliche Kommunikation der Michelin-Gruppe, zum neuen einstichfesten Airless-Prototyp UPTIS des Unternehmens.

Erzählen Sie uns mehr über Ihren Vortrag.
In einer Welt neuer Mobilitätsformen und steigender Herausforderungen im Umweltschutz steht die Automobilbranche vor einem noch nie dagewesenen Wandel, der neue Innovationsfelder in der nachhaltigen Mobilität eröffnet. In diesem Zusammenhang steht die Reifenbranche auch vor einem Paradigmenwechsel und muss ihr Produktangebot anpassen, wozu Innovationen im Bereich Energieeffizienz, niedrigere Wartungskosten und verringerter Materialverbrauch erforderlich sind. Michelin UPTIS, ein einstichfester Airless-Prototyp für Pkws, bereitet den Weg in diese Zukunft. Als Ausweis des Sachverstands von Michelin auf dem Gebiet der Hightech-Werkstoffe revolutioniert UPTIS die Welt der Airless-Reifen, die bisher für Pkws unerreichbar schien.

Was ist der Prototyp UPTIS und welche Vorteile bietet er?
Der Prototyp UPTIS (das Akronym steht für „Unique Puncture-proof Tire System“, also „Einzigartiges einstichfestes Reifensystem“) ist eine zusammengesetzte Airless-Reifenstruktur. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung der Erfahrung von Michelin mit der Tweel-Technologie. Man kann sich diesen Prototyp als ersten Vertreter einer neuen Generation von Airless-Lösungen vorstellen. Diese Technologie, die jetzt für Pkws zur Verfügung steht, bietet eine Reihe von Vorteilen. Die Autofahrer fühlen sich auf der Straße sicherer, denn die Gefahren von Reifenpannen bestehen nicht mehr. Eigentümer von Fahrzeugflotten und Berufskraftfahrer optimieren die Produktivität ihrer Unternehmen (keine Ausfallzeiten durch Reifenpannen und fast keine Wartung). Die Verwendung von Rohmaterial wird verringert, was wiederum die Abfallmenge reduziert. Außerdem haben unsere internen Forschungen ergeben, dass die Airless-Technologie UPTIS letztlich das vorzeitige Verschrotten von jährlich bis zu 200 Millionen Reifen weltweit verhindern könnte.

Worin unterscheidet sich UPTIS von Tweel?
UPTIS ist der erste Vertreter einer neuen Generation der Tweel-Technologie. Der Prototyp UPTIS leitet sich von den Michelin Tweel-Technologien ab, mit denen er sich einige Konstruktionskonzepte teilt: etwa eine Reifen-Rad-Baugruppe, „Speichen“, die die Last tragen, und einen Scherträger-Außenring. Der UPTIS ähnelt Tweel zwar äußerlich, seine Struktur und seine Werkstoffe stellen aber einen technologischen Durchbruch dar. Diese Innovationen bilden die Funktionen eines herkömmlichen Reifens nach, aber ohne den Luftdruck, der bei diesem zum Erreichen der gewünschten Leistung erforderlich ist.

Der Prototyp UPTIS ist für Handling und Fahrmanöver bei Autobahngeschwindigkeit neu gestaltet worden, die aktuellen Tweel-Anwendungen hingegen können zwar das Gewicht des Autos tragen, erlauben aber nur ein viel geringeres Tempo. Kurz gesagt: UPTIS ist auf die Anforderungen von Pkws abgestimmt, Tweel nicht. Tweel wurde 2004 eingeführt und die industrielle Fertigung begann wenige Jahre später. Was die Fähigkeit zur Fertigung dieser Technologien in der Größenordnung von Pkw-Massenanwendungen angeht, hat Michelin einen Vorteil von mehr als 10 Jahren. Ohne Tweel würde es UPTIS heute nicht geben.

Was sind die größten Schwierigkeiten bei der Fertigung?
Wir stehen bei der Entwicklung der Airless-Technologie für Pkws noch ganz am Anfang. UPTIS wird aus innovativen Werkstoffen gefertigt und zeichnet sich durch einen neuen Konstruktionstyp aus. Für die verschiedenen Elemente und ihre Zusammensetzung ist ein spezifischer Konstruktionsprozess erforderlich. Michelin hat seit dem Projektstart daran gearbeitet, einen Montageprozess zu entwickeln, der sich heute noch in der Prototypphase befindet – genau wie der Michelin UPTIS selbst. Ein Industrieprozessteam arbeitet derzeit an diesem Projekt.

Können Sie uns Daten zu Geräuschentwicklung und Vibration nennen?
Das ganz neue Design des UPTIS zusammen mit der Innovation CVR (in Harz eingebettetes Fiberglas) wurde speziell entwickelt, um die Qualitäten verdoppeln zu können, die Autofahrer an den Reifen von Michelin so schätzen: Sicherheit, Rollwiderstand, Langlebigkeit – aber auch Geräuschentwicklung und Komfort. In seiner heutigen Konzeption kann es der UPTIS mit einem Standardreifen aufnehmen. Das ist eine deutliche Verbesserung im Vergleich zur Pkw-Ursprungsversion von Tweel. Aus diesem Grund haben unsere Forscher bei der Gestaltung des UPTIS ganz von vorn angefangen.

Den Vortrag von Cyrille Roget sollten Sie nicht verpassen. Er ist Teil des Themenbereichs Reifentechnologie für die Fahrzeugrevolution am 1. Tag der Konferenz. Sehen Sie sich hier das gesamte Konferenzprogramm an.

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